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Forum Ökologie

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Jahresberichte des Forums Ökologie

Die Arbeit des Forums Ökologie wird in den Jahresberichten dokumentiert.

Jahresbericht 2020

Die Kommission trauert um ihr ehemaliges Mitglied Prof. Dr. Gerhard Fischbeck, der am 8. November 2020 verstarb. Herr Fischbeck hatte im Forum Ökologie von 1993 bis 2015 die Fachgebiete Landwirtschaft und Pflanzenzüch­tung vertreten.

Prof. Dr. Andreas Bresinsky (Botanik und Mykologie) trat aus Altersgrün­den zum 31. Dezember 2020 aus dem Ausschuss des Forums Ökologie aus.

Für den 28. April war das Rundgespräch „Gefährdung und Schutz von Oberflächen­gewäs­sern” geplant, organisiert von Prof. Dr. Jürgen Geist. Es musste im März abgesagt werden, als im Rahmen der Covid-19-Pandemie der sog. Lockdown begann. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich knapp 80 Teilnehmer aus Staatsverwal­tung, Wissenschaft, Politik und Verbandswe­sen angemeldet, die vom Forum Ökologie zu dem Expertenge­spräch eingeladen worden waren. Das Rundgespräch wird nachgeholt werden, sobald die Kontakt­beschrän­kungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie dies zulassen.

Am 28. Februar und 17. Juli fanden Ausschuss­sitzun­gen statt.

Jahresbericht 2019

Am 26. April fand das Rundgespräch „Ökologie und Bioökonomie: Neue Konzepte zur umwelt­­verträg­lichen Nutzung natürlicher Ressourcen” statt, organisiert von Prof. Dr. Ingrid Kögel-Knabner und Prof. Dr. Susanne Renner.

Bioökonomie umfasst alle Wirtschaftssek­toren, deren Produktionspro­zesse wesentlich auf der Nutzung biologischer Ressourcen, wie Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen, beruhen. Land- und Forstwirtschaft, die Nahrungsmittel­­indus­­trie, aber auch Teile der Chemie-, Energie-, Pharmazie-, Kosmetik- und Textilindustrie gehören zur Bioökonomie. Mit dem Begriff verbunden sind Wirtschafts­wei­sen, die wissensbasiert, innovativ und nachhaltig sind, aber auch einer rasch verlaufenden technischen Entwicklung unterliegen.

Das Rundgespräch befasste sich mit dem Konfliktpotenzial zwischen Ökologie und Bioökonomie: Wie kann die die Kulturlandschaft multifunktional und nachhaltig genutzt werden, wenn die Umstellung zu einer biobasierten Wirtschafts­weise den Bedarf an nachwachsen­den Rohstoffen steigen lässt und damit ihrerseits zur Belastung der Umwelt beiträgt? Wie lassen sich die vielfältigen Ansprüche an die Fläche, vom Naturschutz über die Herstellung von Lebens- und Futtermittel bis zur intensiven Produktion von Pflanzen zur stofflichen und energetischen Nutzung, in Einklang bringen? Dabei wurden auch positive Entwicklungen in Bezug auf ökologische Probleme aufgezeigt. So können mehrjährige Anbausysteme von Biomassepflan­zen die Bodenerosion vermindern, die Bodenfrucht­bar­keit verbessern und die Biodiversität erhöhen und neue Technologien in der Pflanzenzüch­tung zur Entwicklung ertragreicher, wassernutzungs- und nährstoff­effizi­enter Sorten beitragen. Darüber hinaus bieten bioökonomi­sche Konzepte die Chance, neue Nachhaltigkeits- und Wertschöpfungs­­modelle umzusetzen.
Weitere Vorträge beschäftigten sich mit Agrarumweltmaß­nahmen als politisches Steuerungs­ele­ment, mit innovativen Produkten und Nutzungskon­zepten von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, mit einer umweltgerechten Bodennutzung, mit der teilflächenspezi­fischen Stickstoffdüngung, die zur Vermeidung von Umweltbelas­tun­gen beiträgt, und mit nachhaltiger Angelfischerei. Allem voran standen eine grundlegende Einführung in das Thema „Ökologie und Bioökonomie” und ein abschlie­ßender Beitrag dazu, wie Deutschland als Industrie- und Wissensstand­ort durch Innovationen einen biologisch und volkswirtschaftlich wertvolleren Beitrag zur Bioökonomie leisten kann als durch eine reine Intensivie­rung der Biomasseproduk­tion.

Neben eingeladenen Gästen aus Staatsverwal­tung, Wissenschaft, Verbandswe­sen und Politik nahmen erneut einige besonders engagierte Lehrkräfte teil, die ihre Schülerinnen und Schüler bei der Teilnahme an den Wettbewerben von ‚Jugend forscht Bayern’ tatkräftig unterstützen, sowie zwei Schüler, die erfolgreich an den Jungend-forscht-Regionalwett­bewer­ben teilgenommen hatten. Auf diese Weise möchte das Forum Ökologie dazu beitragen, dass aktuelle und spannende Forschungs­­ergebnis­se auf schnellem Weg in den Schulen weitervermit­telt werden.

Am 22. Februar und 18. Oktober fanden Ausschuss­sitzun­gen statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Die unbekannte Welt der Mikrobiome. Rundgespräche Forum Ökologie, Band 47. Pfeil, München. 2019, 144 S.

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Ökologie und Bioökonomie. Neue Konzepte zur umweltverträg­lichen Nutzung natürlicher Ressourcen. Rundgespräche Forum Ökologie, Band 48. Pfeil, München. 2019, 144 S.

Jahresbericht 2018

Das Forum Ökologie trauert um ihr ehemaliges Mitglied Prof. Dr. Horst Hagedorn, der am 11. Mai 2018 verstarb. Herr Hagedorn gehörte zu den Gründungsmit­gliedern der Kommission für Ökologie und hatte dort bis 2013 die Bereiche Geographie und Geomorpholo­gie vertreten.

Am 10. April fand das Rundgespräch „Unbekannte Welt der Mikrobiome” statt, organisiert von Prof. Dr. Johann Bauer und Prof. Dr. Erika von Mutius. Die Tagung gab spannende Einblicke in mikrobielle Lebensgemein­schaf­ten im Wasser, in Böden, in Pflanzen, in Tieren und im Menschen. Neben der immensen Diversität von Mikrobiomen standen ihre Bedeutung im jeweiligen Habitat bzw. Wirt und ihre Rolle bei wichtigen ökologischen oder medizinischen Fragen im Vordergrund.

Mikroorganismen sind tragende Säulen des Lebens auf der Erde. Im Laufe von Milliarden von Jahren sind sie in jede nur erreichbare Nische unseres Planeten eingedrungen und beeinflussten Ozeane und Atmosphäre, sodass mehrzelliges Leben möglich wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten ist es mithilfe moderner Techniken gelungen, tiefer in diesen Mikrokosmos vorzudringen und die Diversität mikrobieller Gemeinschaf­ten, bestehend vor allem aus Bakterien, Archaeen, Pilzen, weiteren Einzellern und Viren, in unterschiedlichen Habitaten zu analysieren. In gleichem Maß ist aber auch die Erkenntnis gewachsen, dass wir einer unüberschau­baren, noch weitestgehend unbekannten Welt gegenüberste­hen. Ein besseres Verständnis könnte u. a. bei der Lösung wichtiger Umwelt- und Gesundheits­proble­me helfen. Die Freisetzung von CO2 durch Meeresmikro­ben, die sich von Algen ernähren, oder von anderen klimawirksa­men Gasen aus dem Pansen von Wiederkäuern wurde in dem Symposium ebenso angesprochen wie die Bedeutung des Mikrobioms beim Abbau von Schadstoffen in Grundwasser­leitern und im Boden. Weitere Themen waren das Mikrobiom, das die Pflanzengesund­heit stärkt, das künstliche Minimal-Mikrobiom, das vor Infektionen schützen soll, und die Rolle des Umweltmikro­bioms bei der Entstehung von Asthma und Allergien.

Zu dem Symposium wurden erstmals einige besonders engagierte Lehrkräfte eingeladen, die ihre Schülerinnen und Schüler bei der Teilnahme an den Wettbewerben von ‚Jugend forscht Bayern’ im Bereich Biologie tatkräftig unterstützen, sowie zwei Schüler, die erfolgreich am Landeswett­be­werb Bayern teilgenommen hatten. Über die Auslobung dieser Jugend-forscht-Sonderpreise möchte das Forum Ökologie dazu beitragen, dass aktuelle und spannende Forschungs­ergeb­nisse auf schnellem Weg in die Schulen kommen und dort weitervermittelt werden.

Der Berichtsband zu dem Rundgespräch ist in Vorbereitung (Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. Rundgespräche Forum Ökologie, Band 47: Die unbekannte Welt der Mikrobiome).

Am 12. Januar, 13. Juli und 16. November fanden Ausschusssitzungen statt.

Am 26. April besuchte der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaf­ten, Herr Prof. Dr. Thomas O. Höllmann, die Arbeitsstelle des Forums Ökologie.

Veröffentlichungen:

Renner, Susanne S.: Unbekannte Welt der Mikrobiome. Akademie Aktuell 3.2018, 72-75.

Jahresbericht 2017

Das Forum Ökologie trauert um seine langjährigen ehemaligen Mitglieder Prof. Dr. Franz Huber († 27. April 2017), Prof. Dr. Otto L. Lange († 14. August 2017) und Prof. Dr. Otto Kandler († 29. August 2017). Herr Huber hatte der Kommission für Ökologie von 1990 bis 2003 angehört und dort den Bereich Zoologie vertreten. Der Botaniker Herr Lange gehörte 1986 zu den Gründungsmit­glie­dern der Kommission und war bis 2009 ihr Mitglied. Herr Kandler hatte als Gründungsmitglied bis 2005 die Fächer Mikrobiologie und Botanik in der Kommission vertreten.

Prof. Dr. Karl O. Stetter (Mikrobiologie), Vorsitzender der Kommission für Ökologie von 2009 bis 2014, trat aus dem Ausschuss des Forums Ökologie aus.

Am 4. April fand das Rundgespräch „Tierwelt im Wandel: Wanderung, Zuwanderung, Rückgang” statt, organisiert von Prof. Dr. Susanne S. Renner. Anhand repräsentativer Vogel-, Säugetier- und Insektengrup­pen wurden Areal- und Häufigkeitsänderungen während der letzten 60 Jahre dargestellt.

Seit einigen Jahren ziehen tausende Kraniche auf neuer Route das nördliche Alpenvorland entlang und über das Oberrhein­tal nach Süden. Zunehmend überwintern Weißstörche im Brutgebiet, der Bienenfres­ser dringt weiter nach Norden vor. Bei den Säugetieren breiten sich Arten wie Waschbär, Marderhund und Nutria aus, während andere wie der Feldhamster stark rückläufig sind. Bei manchen Arten sind die Abnahmen dramatisch. Derart schnelle Areal- und Verhaltensverän­derun­gen können, über herkömmliche Tierbeobach­tu­gen hinaus, mit Hilfe mikroelektroni­scher Sensoren, aber auch genetischer Methoden erforscht und z.T. direkt verfolgt werden. Bei den kleinen Tieren, insbesondere bei den Insekten, sind die Kenntnisse über die Areale und Populationsdich­ten jedoch noch sehr gering, obwohl diese am Anfang der Nahrungskette vieler unserer Vögel und anderer Wirbeltiere stehen. Hier fehlen regelmäßiges standardisiertes Sammeln, Monitoring und genetisches Barcoding.
Die Ursachen für die Areal- und Häufigkeitsände­run­gen sind meist noch unzureichend verstanden, jedoch ist klar, dass sowohl der Einfluss des Menschen, z.B. über Änderungen in der Landnutzung oder durch Nachstellung, als auch ökologische und klimatische Faktoren eine Rolle spielen. Ein Vortrag über den Klimawandel und seine Auswirkungen rundete daher die Veranstaltung ab.

Die überarbeiteten Vorträge und Diskussionsbei­träge, ergänzt mit einer Zusammenfassung, einem Verzeichnis der im Buch genannten Tier(gruppen) und einem Schlagwortverzeichnis, wurden in der Reihe „Rundgespräche Forum Ökologie” veröffentlicht. Zeitgleich wurden die einzelnen Beiträge des Buches zum kostenlosen Download auf dem Publikationsser­ver der BAdW eingestellt.

Beim Tag der offenen Tür an der BAdW am 20. Mai war das Forum Ökologie mit einem Poster und einem Bücherstand vertreten.

Am 20. September erfolgte die Freischaltung des neuen Internetauftritts (www. oekologie.badw.de).

Am 3. Februar und am 22. Juni 2017 fanden Ausschusssitzungen statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Tierwelt im Wandel: Wanderung, Zuwanderung, Rückgang. Rundgespräche Forum Ökologie, Band 46. Pfeil, München. 2017, 144 S.

Deigele, C.: Tierwelt im Wandel. Akademie Aktuell 04/2017, 20-25.

Jahresbericht 2016

Die Kommission trauert um ihr ehemaliges Mitglied Prof. Dr. Udo Schwertmann, der am 20. Januar 2016 verstarb. Herr Schwertmann hatte in der Kommission seit ihrer Gründung, 1987, bis 2002 das Fach Bodenkunde vertreten.

Im Jahr 2016 fand die Umbildung der Kommission für Ökologie zum Forum Ökologie ihren Abschluss. Mit Ausnahme von Prof. Dr. Gerhard Fischbeck, Prof. Dr. Dieter Frey, Prof. Dr. Franz Mayinger und Prof. Dr. Karl-Eugen Rehfuess, die aus eigenem Wunsch aus der Kommission ausgeschieden sind, wurden die bisherigen Kommissions­mitglie­der von den Mitgliedern der Sektion IV der BAdW am 11. November 2016 in den neu eingerichteten Projektaus­schuss gewählt. Prof. Dr. Susanne Renner wurde als Vorsitzende und Prof. Dr. Erwin Grill als ihr Stellvertre­ter ernannt. Das Forum Ökologie dankt an dieser Stelle nochmals den vier ausgeschiede­nen Mitgliedern für ihre engagierte und langjährige Mitwirkung in der Kommission. Herr Rehfuess hatte der Kommission seit ihrer ersten Sitzung im Jahr 1987 angehört und bei neun ihrer Veranstaltun­gen als Organisator mitgewirkt; Herr Mayinger war Mitglied seit 1991, Herr Fischbeck seit 1993 und Herr Frey seit 1998.

Dem ebenfalls neu gegründe­ten Projektbeirat gehören Prof. Dr. Johann Bauer (TU München; stellv. Vorsitzender), Prof. Dr. Bernd Herrmann (Univ. Göttingen), Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann (TU München und BAdW; Vorsitzender) und Prof. Dr. Volker Mosbrugger (Sencken­berg Gesellschaft für Naturfor­schung, Frankfurt) an.

Mit dem Rundgespräch „Die Sprache der Moleküle. Chemische Kommunika­tion in der Natur” setzte das Forum Ökologie am 6. April seine Veranstaltungs­reihe zu aktuellen ökologischen Fragestelllun­gen fort. Die Tagung wurde von Prof. Dr. Markus Riederer, Lehrstuhl für Botanik II der Universität Würzburg, konzipiert. Expertin­nen und Experten auf dem Gebiet der Chemischen Ökologie stellten die „chemische Sprache” vor, mit der Pflanzen, Tiere, Pilze und Bakterien Infor­matio­nen nicht nur unter-, sondern auch zwischeneinander austauschen. Mit dem Rundgespräch wurde eine besonders schnell fortschreiten­de Teildisziplin der Ökologie behandelt, die in den letzten Jahren höchst überraschen­de und bahnbrechen­de Ergebnisse geliefert hat.

Die Chemische Ökologie entstand vor etwa drei Jahrzehn­ten als eigenständige interdiszipli­näre Forschungsrich­tung. Sie studiert die Funktion von Molekülen biologischen Ursprungs, welche die Wechselwirkun­gen zwischen Organismen kontrollieren. Diese „chemischen Sprachen” sind die älteste Form der Kommunika­tion in der Natur. Anhand von repräsentati­ven Systemen biologischer Interaktio­nen zeigte das Rundgespräch die Entstehung, die Mechanismen und die daraus resultieren­den Wirkungen der „chemischen Sprachen” auf das Verhalten und die Ökologie ausgewählter Organismen. Die Vorträge behandelten dabei eine breite Palette an Themen, sowohl hinsichtlich der Vielfalt der Lebewesen – über Höhere Pflanzen, Grünalgen, Insekten, Schwämme, Pilze und Bakterien wurde berichtet –, als auch der Vielfalt der Interaktio­nen, die durch chemische Stoffe vermittelt werden, vom symbionti­schen Zusammenle­ben bis zur komplexen Abwehr von Fraßfeinden. Darüber hinaus wurden wichtige Methoden vorgestellt, die heute in der Chemischen Ökologie eine Rolle spielen.

Die überarbeite­ten Vorträge und die Inhalte der Diskussion, ergänzt mit einem Verzeichnis der im Buch genannten Organismen­(grup­pen) sowie einem Schlagwortver­zeich­nis, wurden publiziert. Zeitgleich wurden die einzelnen Beiträge des Buches zum kostenlo­sen Download auf den Verlagsseiten sowie auf dem Publikations­ser­ver der BAdW eingestellt.

Am 19. Februar und am 21. Oktober 2016 fanden Kommissions­sitzun­gen statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Wie viel Wissenschaft braucht der Naturschutz? Eine kritische Bestandsauf­nah­me. Rundgesprä­che Forum Ökologie, Band 44. Pfeil, München. 2016, 160 S.

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Die Sprache der Moleküle. Chemische Kommunika­tion in der Natur. Rundgesprä­che Forum Ökologie, Band 45. Pfeil, München. 2016, 144 S.

Deigele C.: Die Sprache der Moleküle. Akademie Aktuell 04/2016, 18-22.

Jahresbericht 2015

Die Kommission trauert um Prof. Dr. Heinrich Nöth, der am 26. Juni 2015 verstorben ist. Herr Nöth war 1976 an der Gründung der Kommission beteiligt und hat ihr seitdem als Mitglied angehört.

Im Rahmen der Veranstaltungs­reihe „Rundgespräche der Kommission für Ökologie” fand am 12. Mai das Rundgespräch „Wie viel Wissenschaft braucht der Naturschutz? Eine kritische Bestandsauf­nah­me” statt. Die Tagung wurde von dem Kommissions­mit­glied Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser organisiert (Terrestri­sche Ökologie, TU München, Freising).

In den letzten 50 Jahren sind der Naturschutz und insbesonde­re der Artenschutz zunehmend in der Gesetzgebung verankert worden. Trotz aller Anstrengun­gen nimmt jedoch die Zahl der Rote-Liste-Arten weiter zu. Daher stellt sich die Frage nach den Gründen für gescheiterte oder uneffektive Maßnahmen und nach Schwachstel­len in der Gesetzge­bung oder in der Praxis. Auch die Rolle des Naturschut­zes, wenn eine Art wieder häufiger wird, ist im Vergleich zu anderen Faktoren wie Klimaänderun­gen oder Herausnahme der Art aus der Bejagung vielfach nicht geklärt.
In dem Rundgespräch stand die Rolle der Wissenschaft für den Naturschutz im Zentrum. Was kann die Wissenschaft zur Klärung dieser Fragen beitragen? Können Arten- und Naturschutz­maßnah­men wissenschaft­lich besser als bisher begleitet werden? Und wie lässt sich der Informations­aus­tausch zwischen Wissenschaft und Naturschutz­praxis verbessern?
Ausgehend von einer Analyse der Entwicklung der Gefährdungs­situa­tion in verschiedenen Artengrup­pen diskutierten bei der Fachtagung Expertinnen und Experten mit den eingelade­nen Gästen über die aktuelle Rolle der Wissenschaft im Naturschutz. Eine Betrachtung der historischen Entwicklung des Naturschut­zes in Deutschland und ein Beitrag zu wissenschafts­basier­ten Entscheidun­gen im Naturschutz in Australien sollten helfen, auch in Deutschland den Dialog zwischen Naturschutz und Wissenschaft neu zu beleben.

Die Publikation der überarbeiteten Vorträge und Diskussio­nen, ergänzt mit einer Zusammenfas­sung sowie einem Register der im Buch genannten Organismen und einem Schlagwortver­zeich­nis, ist als Band 44 der „Rundgespräch-Reihe” in Vorbereitung. Um die Ergebnisse der Tagung über das gedruckt Buch hinaus noch weiter zu verbreiten, werden die einzelnen Vorträge zeitgleich mit Erscheinen des Bandes im Internet auf den Verlagsseiten (www.pfeil-verlag.de) eingestellt werden.

Mit diesem Band schließt sich in doppelter Weise ein Kreis. Zum einen kam die Anregung für das Rundge­spräch von Herrn MD i.R. Prof. Dr. Werner Buchner, der 1985, also vor 30 Jahren, als Amtschef im damaligen Staatsministeri­um für Landesent­wick­lung und Umweltfra­gen die Initiative für die Gründung dieser Kommission gegeben hat und sich in den Folgejah­ren erfolgreich für ihre feste Einrichtung an der Bayeri­schen Akademie der Wissenschaf­ten eingesetzt hat. Zum anderen greift der Band an vielen Stellen das erste in der Reihe „Rundge­spräch der Kommission für Ökologie” publizierte Thema auf: „Welche Natur wollen wir schützen?” – so der Titel von Band 1 im Jahr 1990.
Gleichzeitig ist der Band ein Neubeginn, erscheint er doch mit einem intensiv überarbeite­ten Layout und unter dem neuen Reihentitel „Rundgesprä­che Forum Ökologie”. Anlass für diesen Schritt war die Struktur­reform der Bayerischen Akademie der Wissenschaf­ten im Oktober 2015, die unter anderem zu einer Umbildung der bisherigen Kommissio­nen in einzelne Forschungspro­jekte und Gesprächs­foren geführt hat, ein Prozess, der noch nicht abgeschlos­sen ist.
Das Ziel der Reihe ist jedoch unverändert geblieben: ökologische Fragestellun­gen und Probleme einer interessier­ten Leserschaft, Fachleute wie Laien, näherzubrin­gen und dabei den aktuellen Forschungs­stand aufzuzeigen.

Von Mai bis Juli fand an der BAdW die Vortrags­reihe „Kein Leben, kein Lebens-Mittel ohne Chemie” statt, die maßgeblich von der Kommission für Ökologie unter Federfüh­rung von Prof. Dr. Widmar Tanner (Univ. Regensburg) mitgestaltet worden ist.

Am 13. Oktober fand die Diskussions­veran­stal­tung „Gesunde Stadt: Erwartungen und Konflikte” an der BAdW statt, an der die Kommissions­mitglie­der Prof. Dr. Dieter Frey, Prof. Dr. Wolfgang Haber und Prof. Dr. Erika von Mutius beteiligt waren.

Am 6. Februar, 10. Juli und 13. November 2015 fanden Kommissions­sitzun­gen statt.

Veröffentlichungen:

Deigele, C.: Wie viel Wissenschaft braucht der Naturschutz? Akademie Aktuell 04/2015: 59-63.

Jahresbericht 2014

Am 11. Juli 2014 wurde Prof. Dr. Susanne Renner zur neuen Vorsitzenden der Kommission gewählt. Sie löst Prof. Dr. Karl Stetter ab, der die Kommission seit 2009 sehr erfolgreich und mit großem Engagement geleitet hatte.

Die Kommission für Ökologie setzte am 11. März mit dem Rundgespräch „Soziale Insekten in einer sich wandelnden Welt” ihre Veranstaltungs­reihe zu aktuellen ökologischen Fragen fort. Die Tagung wurde von dem Zoologen und Evolutions­biolo­gen Prof. Dr. Jürgen Heinze und dem Botaniker Prof. Dr. Andreas Bresinsky (beide Universität Regens­burg) organisiert.

Zu den in Staaten lebenden Insekten gehören vor allem Ameisen und Termiten sowie soziale Bienen- und Wespenarten. Sie spielen in nahezu jedem terrestri­schen Ökosystem eine zentrale Rolle, sei es als Bestäuber von Blütenpflan­zen, als Räuber kleiner Arthropo­den oder indirekt als Pflanzen­„fresser”, zum Beispiel durch die Haltung von Blattläusen oder die Symbiose mit Pilzen. Ihr enormer evolutionä­rer Erfolg beruht auf ihrer Staatenbil­dung: Soziale Insekten leben in Gruppen, die sich durch eine gut funktionie­ren­de Arbeitstei­lung zwischen reprodukti­ven und nicht reprodukti­ven Individuen auszeich­nen. Durch Kommunika­tion und Selbstorganisa­tion schaffen es soziale Insekten trotz ihrer Kleinheit, riesige, komplexe Nester, Straßen oder Brücken zu bauen oder ergiebige Ressourcen effektiv zu nutzen. Dadurch beeinflus­sen sie seit weit über 100 Millionen Jahren viele Naturkreis­läufe wesentlich.
Seit einigen Jahren häufen sich alarmieren­de Nachrichten: Die Bienen sind bedroht und damit die Bestäubung nicht nur der Wildpflan­zen, sondern auch unserer Kulturpflan­zen. Ganze Honigbienen­völker sterben aus noch schlecht verstande­nen Gründen aus. Im Mittelmeer­raum breiten sich aus anderen Teilen der Welt eingeschlepp­te Ameisen­arten mit großer Geschwindig­keit aus und verdrän­gen einheimi­sche Arten. Die Gründe für diese Entwicklun­gen sind vielfältig, unter anderem spielen Klimaverände­rung, die Intensivie­rung der Landnutzung und die fortschrei­ten­de Globalisie­rung von Flora und Fauna eine Rolle.

Die Fachtagung der Kommission für Ökologie gab einen faszinieren­den Einblick in die Welt sozialer Insekten – von der chemischen Kommunika­tion über Lernen und Gedächtnisbil­dung bis hin zur Pilzzucht bei Blattschneider­amei­sen – und erläuterte beispiel­haft die Ursachen und Konsequen­zen der derzeitigen Veränderun­gen des Lebensrau­mes sozialer Insekten. Die überarbeite­ten Vorträge und Diskussio­nen, ergänzt mit einem Register der im Buch genannten Organismen und einem Schlagwort­­ver­zeich­nis, wurden als Band 43 in der Reihe „Rundgesprä­che der Kommis­sion für Ökologie” publiziert. Um die Ergebnisse der Tagung über das gedruckt Buch hinaus noch weiter zu verbrei­ten, wurden erstmals die einzelnen Vorträge zeitgleich mit Erscheinen des Bandes im Internet eingestellt.

Am 11. März, 11. Juli und 24. Oktober 2014 fanden Kommissions­sitzun­gen statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Soziale Insekten in einer sich wandeln­den Welt. Rundgesprä­che Forum Ökologie, Band 43. Pfeil, München. 2014, 144 S.

Deigele, C.: Von Kuckuckshum­meln und Sklavenhalter­ameisen – faszinierende Einblicke in Insekten­staaten. Akademie Aktuell 04/2014: 72-77.

Jahresbericht 2013

Im Juli 2013 trat Prof. Dr. Horst Hagedorn aus der Kommission aus. Herr Hagedorn war 1987 Gründungsmit­glied der Kommission und seitdem an mehreren Rundgesprä­chen als Organisator beteiligt gewesen. Für sein langjähri­ges großes Engagement ist ihm die Kommission zu Dank verpflichtet.

Mit dem Rundgespräch „Schutz und Nutzung von Tropenwäl­dern” setzte die Kommis­sion am 9. April ihre Veranstaltungs­reihe zu aktuellen ökologi­schen Fragestelllun­gen fort. Die Tagung wurde von Prof. Dr. Reinhard Mosandl, Lehrstuhl für Waldbau der TU München, konzipiert.

Nach wie vor gehen laut FAO-Statistik jährlich 15 Millionen Hektar Tropenwald verloren, mehr als die gesamte Waldfläche der Bundesrepu­blik Deutschland. Eine Hauptursa­che für die Vernich­tung des Tropenwal­des ist seine Inanspruch­nah­me für landwirtschaft­li­che Zwecke, sei es im Zuge des kleinbäuerli­chen Wanderfeld­baus und der Weidewirt­schaft oder in großem Maßstab durch die Anlage von Plantagen zur stofflichen oder energeti­schen Nutzung. Die Folgen sind gravierend: Die landwirt­schaft­li­che Nutzung gefährdet die Humusvor­räte, von denen die Bodenfrucht­bar­keit maßgeblich abhängt, und mit der Entwaldung geht ein unwieder­bring­licher Verlust an Biodiversi­tät einher. Die Auswirkun­gen auf den Kohlenstoff­haus­halt der Erde sind enorm. Die klassischen Instrumen­te des Naturschut­zes wie die Ausweisung von Schutzgebie­ten oder die Ausarbei­tung internatio­na­ler Konventio­nen reichen offenbar für einen wirkungsvol­len Schutz von Tropenwäl­dern nicht aus. Es sind neue Konzepte nötig, die die Bedürfnis­se der lokalen Bevölke­rung, die von der Nutzung der Wälder lebt, einbezie­hen.
Der erste Teil des Rundgesprächs gab einen allgemei­nen Überblick über die Flächenent­wick­lung und Erscheinungs­for­men von tropischen Wäldern sowie die Gründe für ihre hohe Artenviel­falt. Am Beispiel des großflächigen Kautschukan­baus auf gerodeten Tropenwald­flä­chen in Asien wurde das ganze Ausmaß der Tropenwaldzer­stö­rung deutlich. Allerdings gibt es weltweit auch einige erfolgreiche Modelle zum Schutz von Tropenwäl­dern, aus denen sich Anforderun­gen an künftige Schutzkon­zep­te ableiten lassen. Gravieren­de Probleme treten nach wie vor bei der Feststellung der exakten Waldfläche (und deren Verände­rung) im Rahmen von internatio­na­len Waldinventu­ren auf sowie bei der Umsetzung einer naturverträg­lichen landwirtschaft­lichen Nutzung im Bereich der Tropen, die ohne weitere Waldinanspruch­nahme auskommt.
Im zweiten Teil wurde als Fallbeispiel der tropische Bergregen­wald in Südecuador vorgestellt, wo deutsche Wissenschaft­ler im Rahmen einer von der DFG geförder­ten Forschergrup­pe seit über 15 Jahren ökologische Prozesse untersuchen. Behandelt wurden u.a. der Wandel der Landnut­zung und dessen Auswirkun­gen auf die Nachtfalter­fauna und auf Epiphyten, die Nutzung des Waldes durch indigene Gruppen sowie die Möglichkei­ten einer nachhalti­gen forstlichen Bewirtschaf­tung des Naturwaldes und der Aufforstung aufgelasse­ner Weideflä­chen mit autochtho­nen Baumarten. Vorgestellt wurde außerdem ein ökonomi­sches Modell, mit dem berechnet werden kann, welche Auswirkun­gen Kompensations­zahlun­gen auf das Nicht-Abholzen des Waldes und welche Wirkung Finanzhil­fen auf die Rekultivie­rung aufgelasse­ner Weideflä­chen haben und welche Folgen dies für die CO2-Emissio­nen und die Nahrungsmittel­produk­tion in Ecuador hat.

Die überarbeiteten Vorträge und die Inhalte der Diskussion, ergänzt mit einem Schlagwortver­zeich­nis, wurden publiziert.

Am 3. Mai und am 25. Oktober 2013 fanden Kommissions­sitzun­gen statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Schutz und Nutzung von Tropenwäl­dern. Rundgesprä­che der Kommission für Ökologie, Band 42 Pfeil, München. 2013, 160 S.

Deigele, C.: Schutz und Nutzung von Tropenwäldern. Akademie Aktuell 04/2013: 20-23.

Jahresbericht 2012

Am 22. Juli 2012 verstarb Prof. Dr. Josef Fittkau, der 25 Jahre lang der Kommis­sion angehört und in ihr mit großem Engage­ment mitgearbei­tet hatte. Seine weit über seine eigenen Fachgebie­te Lim­nolo­gie und Zoologie hinausgehen­den ökologi­schen Kenntnisse und seine humor­volle und ausgleichen­de Art werden der Kommission fehlen.

Zu neuen Mitgliedern der Kommission wurden 2012 Prof. Dr. Jürgen Geist (Aquati­sche Systembiolo­gie, Freising), Prof. Dr. Erwin Grill (Molekulare Pflanzenbiolo­gie, Freising), Prof. Dr. Susanne Renner (Systemati­sche Botanik, München) und Prof. Dr. Wolfgang Weisser (Terrestri­sche Ökologie, Freising) gewählt.

Mit dem Rundgespräch „Die Zukunft der Energiever­sor­gung: Atomaus­stieg, Versorgungs­sicher­heit und Klimawandel” setzte die Kommission am 24. und 25. Januar ihre Veranstal­tungs­reihe zu aktuellen ökologi­schen Fragestellun­gen fort. Die Tagung wurde gemeinsam mit dem ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsfor­schung an der Universi­tät München e.V. von Prof. Dr. Franz Mayinger und Prof. Dr. Hans-Werner Sinn konzipiert und organi­siert. Aufgrund des großen zu erwarten­den Interes­ses wurde das Rundge­spräch für die breite Öffentlich­keit geöffnet und fand entspre­chend im Plenarsaal der BAdW statt. Unmittel­bar vor der Tagung fand ein Medienge­spräch im Presse­Club München mit vier der Vortragen­den (Professo­ren Ottmar Edenhofer, Hans-Werner Sinn, Fritz Vahrenholt, Carl Christian von Weizsäcker) statt.

Die Versor­gung mit Energie ist die Basis unseres Wohl­stands. Eine uneingeschränk­te Nutzung fossiler Energieträ­ger, ob zur Strom- und Wärmeerzeu­gung oder für die Mobilität, ist jedoch mit einem hohen CO2-Ausstoß verbunden. Es gilt daher, in Zukunft die Balance zwischen Wettbewerbs­fähig­keit und Klimaschutz zu wahren – bei hoher Zuverlässig­keit der Energiever­sor­gung und ohne unverhältnis­mä­ßigen Anstieg der Energiepreise.
In dem Rundgespräch wurden ökonomi­sche und ökologi­sche Aspekte verschiede­ner Energie­trä­ger und Energieversor­gungs­strate­gien behandelt, von Anlagen zur Nutzung von Wasser-, Wind-, Sonnen­kraft und Geothermie bis zur energeti­schen Nutzung nachwach­sen­der Rohstoffe und zur Reichweite fossiler Energieträ­ger wie Stein- und Braunkohle. Im Mittelpunkt stand dabei stets auch die Frage nach der Versorgungs­sicher­heit im Stromsek­tor, d.h. der zeitlich und örtlich bedarfsge­rech­ten Verfügbar­keit von Strom, die es auch nach dem Ausstieg aus der Kernenergie­nut­zung weiter zu gewährleis­ten gilt. Weitere Vorträge befassten sich mit neuen Entwicklun­gen im Gebäude- und im Mobilitätsbe­reich zur Steigerung der Energieeffi­zienz und mit den gesellschaftspo­liti­schen Dimensio­nen der „Energiewen­de”. Das Energiekon­zept der Bundesregie­rung wurde im Rahmen des energiepo­liti­schen Zieldreiecks (Wirtschaftlich­keit, Umweltver­träg­lich­keit, Versorgungs­sicher­heit) und im Hinblick auf die Wirkung von Fern- und Nahzielen diskutiert. Weitere wichtige Themen waren die Vorleistun­gen Deutsch­lands und der EU innerhalb der internatio­na­len Staatenge­mein­schaft in Bezug auf den globalen Klimaschutz sowie verschiede­ne Möglichkei­ten, diesen im Rahmen internatio­na­ler Verhand­lun­gen voranzubrin­gen. Kontrovers wurde auch über die angestreb­te Begrenzung der globalen Erwärmung („Zwei-Grad-Ziel”) vor dem Hinter­grund der bestehen­den Unsicher­hei­ten in Klimamodel­len diskutiert.

Die überarbeiteten Vorträge und die Inhalte der Podiums­diskus­sion wurden, ergänzt mit einer Zusammenfas­sung, einer Zusammenstel­lung der zentralen Ergebnisse des Rundge­sprächs aus Sicht der Kommissi­on und einem Schlagwortver­zeich­nis, publiziert.

Am 10. Mai wurde die Kommission im Rahmen der Evaluie­rung der BAdW von ihrem Vorsitzen­den, Prof. Dr. Karl O. Stetter, und der wiss. Mitarbeite­rin, Dr. Claudia Deigele, der Evaluierungs­kom­mis­sion vorgestellt.

Kommissionssitzungen fanden am 17. Februar, 13. Juli und 09. November 2012 statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaf­ten (Hrsg.): Pflanzenzucht und Gentechnik in einer Welt mit Hungernot und knappen Ressourcen. Rundgesprä­che der Kommissi­on für Ökologie, Band 40. Pfeil, München. 2012, 160 S.

Bayer. Akademie der Wissenschaf­ten (Hrsg.): Die Zukunft der Energiever­sor­gung: Atomaus­stieg, Versorgungs­sicher­heit und Klimawan­del. Rundgesprä­che der Kommissi­on für Ökologie, Band 41. Pfeil, München. 2012, 219 S.

Deigele, C.: Unsere künftige Energiever­sor­gung. Akademie Aktuell 04/2012: 28-29.

 

Jahresbericht 2011

Die Kommission trauert um ihre ehemali­gen Mitglieder Prof. Dr. Arnulf Schlüter, verstor­ben am 24. Juni 2011, Prof. Dr. Klaus Betke, verstor­ben am 26. Juni 2011, und Prof. Dr. Meinhart Zenk, verstor­ben am 5. Juli 2011, die der Kommission viele Jahre angehört hatten.
Herr Betke hatte 1987 zu den Gründungsmit­glie­dern der Kommissi­on für Ökologie gehört.

Mit dem Symposium „Pflanzen­zucht und Gentech­nik in einer Welt mit Hungers­not und knappen Ressour­cen” setzte die Kommissi­on am 4. Juli ihre Reihe „Rundgesprä­che der Kommissi­on für Ökologie” fort.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirt­schafts-Organisati­on der Vereinten Nationen (FAO) leiden weltweit fast eine Milliarde Menschen an Hunger. Bei dem Rundgespräch gingen zwölf Referentin­nen und Referenten der Frage nach, welchen Beitrag Pflanzen­zucht und Gentech­nik leisten können, um diese Zahl trotz der weiter ansteigen­den Weltbevölke­rung wesent­lich zu verringern.
Seit Beginn der Sesshaftwer­dung vor etwa 10.000 Jahren ersetzt der Mensch im Ackerbau auf den Anbauflä­chen gezielt die natürli­che Vegetati­n durch einige wenige Pflanzen, die seitdem intensiv kultiviert werden. Auch heute noch stellen wenige Gräser (v.a. Weizen, Reis, Mais, Hirse, Gerste) die Hauptnah­rungs­quel­len dar. Nachdem die für die Landwirt­schaft zur Verfü­gung stehen­den geeigne­ten Flächen jedoch begrenzt sind, muss zur Ernährung einer wachsen­den Bevölke­rung die landwirtschaft­liche Produktion weiter intensi­viert werden und zwar möglichst nachhaltig, also wasserspa­rend, klimascho­nend und unter Erhalt der Bodenfrucht­bar­keit. Dass Hunger aber nicht nur eine Frage der Nahrungspro­dukti­on ist, sondern auch eine Frage von Kriegen, von Wirtschafts- und Handelsbe­schrän­kun­gen und agrarpoli­ti­schen Vorgaben, von Nahrungsmittel­ver­schwen­dung, vom Lebensstil (einschließ­lich der Folgen aus Massentier­hal­tung) und anderem mehr, wurde in mehreren Beiträgen und Diskussio­nen betont.
Dargestellt wurde die Entwicklung von der klassischen Pflanzenzüch­tung – aus der z.B. die Hochleistungs­sor­ten der „Grünen Revoluti­on” hervorgin­gen, mit denen es in den 1970er Jahren in Indien gelang, der sich zunehmend öffnenden Schere zwischen steigender Bevölke­rung und Weizenpro­dukti­on entgegen­zu­tre­ten – bis zur künftigen genomba­sier­ten, markerge­stütz­ten Selektion, die die moderne Pflanzen­züch­tung grundlegend revolutionie­ren könnte. Bei der Grünen Gentechnik können schon jetzt durch gezielte Übertragung einzelner Gene neue Eigenschaf­ten, die bisher in der Pflanze nicht vorhan­den waren, eingebracht und dabei Artgren­zen überwun­den werden. Die sog. Bt-Baum­wol­le bildet aufgrund eines Gens aus Bacillus thuringien­sis ein natürli­ches Fungizid; durch die Einspa­rung von Pflanzenschutz­mit­teln ergeben sich Vorteile für die Umwelt und die menschli­che Gesund­heit sowie ein, trotz hoher Saatgut­kos­ten von Bt-Baumwol­le, höheres Einkom­men für die sie verwenden­den (Klein)bau­ern. „Golden Rice” enthält – im Gegen­satz zu allen herkömmli­chen Reissorten – Provitamin A und soll damit den gravieren­den Folgen von Vitamin-A-Mangel entgegenwir­ken, von denen beson­ders die armen Bevölkerungs­schich­ten in Indien und Afrika leiden, die sich fast ausschließ­lich von Reis ernähren.
Heute bauen 15 Millionen Bauern in 29 Ländern und auf über 148 Millionen Hektar (davon fast die Hälfte in Entwick­lungs- und Schwellen­län­dern) gentech­nisch veränder­te Pflanzen an. Dieser Erfolgsge­schich­te steht die mangelnde Akzeptanz der Grünen Gentech­nik in Europa und speziell in Deutsch­land gegenüber, wie z.B. das Anbauver­bot von Bt-Mais in Deutsch­land (trotz Zulassung in der EU) oder die Diskussio­nen um die Kartoffel­sor­te Amflora zeigen. Zum Thema „Ethische Aspekte und öffentli­che Akzeptanz Grüner Gentech­nik” fand ein eigener Vortrag statt, ein weiterer behandel­te die Rechtset­zung und den Gesetzes­voll­zug in Deutsch­land und der EU. Fragen der Zulassung bzw. Regulie­rung und der Sicherheit gentech­nisch veränder­ter Pflanzen wurden in vielen der Beiträge angespro­chen und kritisch diskutiert. Gerade die zeitlich und finanziell sehr aufwändi­gen Zulassungsver­fah­ren können von kleineren Züchtern nicht getragen werden und bewir­ken so die Monopolstel­lung weniger großer kapitalkräf­tiger Firmen auf dem Markt.
Anhand erfolgrei­cher Projekte in Haiti, Indonesi­en und Ostafrika wurde gezeigt, wie durch ökologi­sche Intensivie­rung, d.h. durch eine standortsan­gepass­te, intensive und die natürli­chen Regelungsme­cha­nismen beachtende Landwirt­schaft, auch ohne Gentech­nik und Hochleistungs­sor­ten die Ernährungs­siche­rung verbessert werden kann. Die Mehrheit der Vortragen­den war jedoch der Meinung, dass Grüne Gentech­nik allein zwar den Hunger nicht besiegen, aber zumin­dest einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten kann, und dass sich ökologi­scher Landbau und Gentech­nik nicht ausschlie­ßen müssten. Grüne Gentech­nik darf daher nicht „aus Prinzip” abgelehnt werden, sondern sollte im Bemü­hen um eine nachhal­tige Ernährungs­siche­rung ebenso ihren Platz haben wie andere Lösungsmög­lichkei­ten.

Die Veröffentlichung der überarbeite­ten Vorträge und Diskussio­nen ist in Vorberei­tung.

Kommissions­sitzun­gen fanden am 6. Mai, 10. Juni und 21. Oktober 2011 statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaf­ten (Hrsg.): Leben unter extremen Bedingun­gen. Rundgesprä­che der Kommission für Ökologie, Band 39. Pfeil, München. 2011, 160 S.

Deigele, C.: Leben unter extremen Bedingun­gen. Akademie Aktuell 04/2011: 10-13.

Jahresbericht 2010

Aus der Kommission schieden 2010 die langjähri­gen Mitglieder Prof. Dr. Anton Böck (Fachge­biet Mikrobiolo­gie) und Prof. Dr. Bert Hölldobler (Fachge­biet Zoologie) aus.

Die Kommission setzte am 19. Oktober ihre Reihe „Rundgesprä­che der Kommissi­on für Ökologie” mit einem Symposium über „Leben unter extremen Bedingun­gen” fort.

Im Verlauf der Evolution konnten nahezu alle Habitate unseres Planeten dauer­haft besie­delt werden, selbst solche, die für uns Menschen lebensfeind­lich erschei­nen und deshalb oft als extrem bezeich­net werden. So leben Mikroorga­nis­men in den Wänden von „Schwar­zen Rauchern” im mittelozea­ni­schen und ostpazifi­schen Rücken in mehr als 1000 Meter Wassertie­fe. Sie bilden die Nahrungs­grund­lage in der sonst nährstoffar­men Tiefsee, sodass dort auch reiches Höheres Leben stattfin­den kann. Andere Mikroorga­nis­men der Tiefsee leben von Erdöl und Erdgas, das aus natürli­chen Quellen vom Meeresbo­den entweicht. Der Abbau von Erdöl und Erdgas in der kalten Tiefsee ist im Vergleich zum Abbau an der Meeres- bzw. Strandober­flä­che jedoch sehr langsam. So könnte der Abbau der riesigen Ölmen­gen, die bei der Ölkatastro­phe im Golf von Mexiko in die Tiefsee ausgetre­ten sind und dort Sediment­schläm­me bilden, mangels Sauerstoff­zu­tritt nur extrem langsam und anaerob erfolgen, was von der Natur alleine in überschau­ba­rer Zeit kaum zu bewälti­gen sein dürfte. – Lebende Bakterien­zel­len wurden sogar noch tief in Meeressedi­men­ten, wie vor Neufund­land bis zu einer Sediment­tie­fe von 1600 m und einer Tempera­tur von 60-100 °C, gefun­den. Ihre durchschnitt­liche Verdopp­lungs­zeit liegt im Bereich von Hunderten bis Tausen­den von Jahren. Als Substrate stehen zum Beispiel Sulfat und Methan zur Verfügung. Die bei der anaeroben Methan­oxida­tion freiwerden­de Energie reicht gerade noch zur Synthese von ATP aus, dem universel­len Energieträ­ger des Lebens. In weiteren Vorträgen wurden die anaerobe Oxidation von Ammoni­um zu Stickstoff (N2) – die für das Entwei­chen von bis zu 50 % des biologisch verfügba­ren Stickstoffs aus dem Ozean verantwort­lich ist, jedoch erst seit etwa 10 Jahren bekannt ist – durch so genannte Annamox-Bakterien vorgestellt sowie die speziellen Anpassun­gen, die es Grünen Schwefelbak­teri­en im Schwarzen Meer in einer Wassertie­fe von 100 Metern erlauben, selbst unter extrem geringem Lichtein­fall noch Photosyn­the­se zu betreiben.
Auch Höhere Pflanzen und Tiere dringen in zunächst lebensfeind­lich erscheinen­de Gebiete vor. So genannte Wiederauferste­hungs­pflan­zen können vollständig austrock­nen, in diesem Zustand eine Trocken­perio­de überdau­ern und sich bei einsetzen­den Niederschlä­gen innerhalb von 24 Stunden wieder erholen. Molekulare und biochemi­sche Untersuchun­gen haben gezeigt, dass diese Trockentole­ranz ein komplexes, viele Gene betreffen­des Phänomen im Stoffwech­sel ist. Weitere Anpassun­gen Höherer Pflanzen an extreme Lebensberei­che wurden anhand (tropischer) Hochgebirgs­pflan­zen und salztoleran­ter Pflanzen (Halophy­ten) vorgestellt. Letzteren kommt eine große Bedeutung bei der Erhaltung bzw. Wiederher­ste­llung von Nutzflä­chen zu, die besonders in ariden Zonen durch Miss­manage­ment bei der künstli­chen Bewässe­rung entstan­den sind. – Säugetie­re können winterli­che Kälteperio­den im Winterschlaf überdauern oder, ohne Winterschlaf, durch verschiedens­te Maßnahmen wie Wärmeisolie­rung des Nests oder Tagesschlaf­lethar­gie (Torpor) ihren Energieum­satz um bis zu 85 % reduzieren. Und nicht zuletzt hat der Mensch im Laufe seiner Entwicklungsge­schichte gelernt, zunächst feindli­che Umweltbedin­gun­gen dauerhaft zu meistern.
In dem Rundgespräch wurden exempla­risch unterschied­liche Lebensstrate­gien und spezielle Anpassun­gen des Stoffwech­sels von Mikroorganis­men, Höheren Pflanzen und Tieren vorgestellt, die eine erfolgrei­che und dauerhaf­te Besiede­lung dieser unwirtli­chen Lebensräu­me ermögli­chen. Diese außerordent­lichen Fähigkei­ten von Organis­men sind für die Grundlagen­wissen­schaft von großem Interesse, da hierbei oft sogar die Grenzen der Anpassungs­fähig­keit auf die Werkstoffeigen­schaf­ten der Baustei­ne des Lebens zurückge­führt werden können. Darüber hinaus ergeben sich neuartige techni­sche Anwendungs­möglich­keiten, beispiels­weise der Einsatz hitzestabi­ler Enzyme als hochspezi­fische und umweltfreund­liche Katalysa­toren.

Die Veröffentlichung der überarbeite­ten Vorträge und Diskussio­nen ist in Vorberei­tung.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschaf­ten (Hrsg.): Bioaeroso­le und ihre Bedeu­tung für die Gesund­heit. Rundgesprä­che der Kommission für Ökologie, Band 38. Pfeil, München. 2010, 142 S.

Deigele, C.: Bioaerosole und ihre Bedeu­tung für die Gesund­heit. Akademie Aktuell 04/2010: 24-25.

Jahresbericht 2009

Ende Januar 2009 legte der langjäh­rige Vorsitzen­de Prof. Dr. Hubert Ziegler aus gesundheit­lichen Gründen die Leitung der Kommission nieder; zu seinem Nachfolger wurde Prof. Dr. Karl Stetter gewählt. Herr Ziegler gehörte zu den Gründungs­mitglie­dern der Kommis­sion, seit 1987 leitete er sie in glänzen­der Weise und mit großem Sachver­stand und Weitblick. Unter seinem Vorsitz fanden 39 Symposi­en statt, für deren Veröffentli­chung er die Reihe „Rundgesprä­che der Kommis­sion für Ökologie” begrün­det hatte. Herr Ziegler verstarb am 17. April 2009, kurz nachdem er noch aktiv an dem Rundge­spräch über die ökologi­sche Rolle von Pilzen teilgenom­men hatte. Die Kommis­sion ist ihm zu tiefem Dank verpflichtet.

Im Februar 2009 trat Prof. Dr. Otto L. Lange, ebenfalls Gründungs­mit­glied, aus gesundheit­lichen Gründen aus der Kommission aus.

Das diesjährige Rundgespräch „Ökologische Rolle von Pilzen” fand am 23. März statt, organi­siert von  Prof. Dr. Andreas Bresinsky (Regens­burg) und Prof. Dr. Hubert Ziegler (München). Pilze spielen in den unterschied­lichs­ten Ökosyste­men eine tragende Rolle. Sie leben hetero­troph und nutzen verschiede­ne Ernährungsstra­tegi­en. Als Mykorrhiza­pilze sind sie wichtige Lebenspart­ner unserer Waldbaum­arten, aber auch der wichtigs­ten Kulturpflan­zen. Allein für die Entwick­lung nachhalti­ger, wasser- und nährstoffeffi­zien­ter zukünfti­ger Agrarsyste­me ist es daher zwingend nötig, die Mykorrhiza intensiv zu erforschen. Die Wurzelsym­bio­se trug in der Erdgeschich­te wesentlich zu der umfassen­den und erfolgrei­chen Landnahme durch Pflanzen bei. – Als Saprobion­ten zersetzen Pilze tote organi­sche Materie wie Zellulose und Lignin. Ohne diese Abbauleis­tun­gen würde die Biosphäre am „Biomüll“ ersticken: Global werden jährlich 200 Mrd. Tonnen Lignozellu­lose gebildet, die nach dem Absterben der Pflanzen wieder abgebaut werden müssen. Mit ihrem Stoffwech­sel sorgen Pilze aber nicht nur für den Abbau, sondern auch für die Synthese einer sehr großen Zahl verschieden­artigs­ter Verbindun­gen, die ökolo­gisch bedeutsam sind und vom Menschen in vielfälti­ger Weise genutzt werden können, z.B. als Antibioti­ka in der Medizin oder als Fungizi­de in der Landwirt­schaft. Anderer­seits verursa­chen Pilze als Parasiten Schäden von erhebli­cher volkswirt­schaftli­cher Bedeu­tung, indem sie andere Lebewe­sen – Pflanzen, Tiere und den Menschen – befallen. Das Rundge­spräch beschäftig­te sich mit verschiede­nen Aspekten dieser Zusammen­hän­ge, außerdem mit der Evolution von Basidiomy­ce­ten und den Aufgaben wissenschaft­licher Sammlun­gen in der heutigen Zeit. In der Schlussdis­kus­sion wurde die unbefriedi­gen­de Lage und die Zukunft der Mykologie in Deutschland themati­siert. Die überarbeite­ten Vorträge und Diskussio­nen, ergänzt mit einem taxonomi­schen und einem Schlagwortver­zeich­nis sowie einem Nachruf auf den langjähri­gen Kommissionsvor­sitzen­den und Mitorganisa­tor des Rundgesprächs, Prof. Dr. Hubert Ziegler, wurden im Dezem­ber publiziert.

Am 27. Oktober folgte das Rundgespräch „Bioaerosole und ihre Bedeu­tung für die Gesund­heit”, organi­siert von Prof. Dr. med. Erika von Mutius und Prof. Dr. med. Dennis Nowak (München). Den Hauptan­teil des Aerosols, d.h. der Mischung fester und flüssiger Partikel in einem Gas, bilden nicht die anthropo­gen erzeugten Teilchen, sondern solche natürli­chen Ursprungs, allen voran Meer­salz, Boden­staub und biologi­sche Partikel. Letztere umfassen unterschied­lichs­te Teilchen, von Pollenkör­nern mit 100 µm Größe (1 mm entspricht 1000 µm) über Sporen mit 10 µm, Bakterien mit 1 µm bis zu Viren mit 0,01 µm und fein zerriebe­nem Material von noch geringe­rer Größe. Unter Nanoparti­keln verstehen wir dabei Teilchen mit einer Größenord­nung von 1–100 nm (0,001–0,1 µm). Der erste Teil des Rundge­sprächs befasste sich mit der Expositi­on. Dabei wurden Klimawan­del und Luftquali­tät, die Bedeu­tung der Bioaero­sole in der Atmosphäre und Änderun­gen im jährlichen Pollenflugmus­ter vorgestellt. Obwohl Bioaero­­sole bis zu einem Drittel des Gesamt­aero­sols ausma­chen können, ist ihre Rolle in Bezug auf die derzeiti­gen Klimaverände­run­gen nur unzurei­chend untersucht. Dazu kommen (noch) fehlende Standards für Messun­gen und Unsicher­hei­ten bei ihrer (gesundheit­­lichen) Bewertung. Im zweiten Teil standen Effekte auf die Atemwe­ge im Vorder­grund. Je nach ihrer Größe können (Bio-)­Aero­sole unterschied­lich tief in die Atemwe­ge eindringen. Von den oberen Atemwe­gen können sie über verschiede­ne Mechanis­men wieder ausgeschie­den werden. Von den Alveolen (Lungenbläs­chen) aus können sie in andere Organe transpor­tiert werden, wobei die Trans­loka­tion und Akkumula­tion von Nanopartikel-Aeroso­len von deren Größe, Material- und Oberflächen­eigen­­schaf­ten abhängt. Wie aus großen europäi­schen Studien hervor­geht, führen Bioaero­sole aus landwirtschaft­lichen Betrieben bei den direkt Betroffe­nen vor allem zu Kurzatmig­keit, Husten mit Auswurf und pfeifen­den Atemge­räu­schen. Noch im Umkreis von 500 m Entfer­nung zu landwirtschaft­lichen Betrieben wurden bei den Anwoh­nern eine eingeschränk­te Lungenfunk­tion sowie (nicht erkältungsbe­dingte) giemende Atemgeräu­sche nachgewie­sen. Der dritte Teil des Rundgesprächs behandel­te Effekte von Bioaeroso­len auf die Entste­hung und Entwick­lung von Allergien. Einerseits können z.B. Dieselrußparti­kel in Kombina­tion mit Pollen die Allergieent­ste­hung fördern, anderer­seits kann eine frühkindli­che Exposition einen Schutzfak­tor für Allergien, Asthma und entzündli­che Darmerkran­kun­gen darstel­len, wie bei Kindern, die auf dem Bauern­of aufwuch­sen, gezeigt wurde. Dabei scheinen Mikroben, die in einem bestimm­ten Zeitfenster (“window of opportu­nity”) auf das Immunsys­tem einwirken, eine bedeuten­de Rolle zu spielen. Die Veröffentli­chung der überarbei­teten Vorträge und Diskussio­nen ist in Vorberei­tung.

Kommissionssitzun­gen fanden am 9. Januar, 13. Februar, 3. Juli und 23. Oktober 2009 statt.

Veröffentlichungen:

Bayer. Akademie der Wissenschften (Hrsg.): Humus in Böden: Garant der Fruchtbarkeit, Substrat für Mikroorganismen, Speicher von Kohlenstoff. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 35. Pfeil, München. 2009, 144 S.

Bayer. Akademie der Wissenschften (Hrsg.): Ökologische Rolle der Flechten. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 36. Pfeil, München. 2009, 190 S.

Bayer. Akademie der Wissenschften (Hrsg.): Ökologische Rolle von Pilzen. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 37. Pfeil, München. 2009, 158 S.

Braun L., Hagedorn H., Samuel-Eckerle E., Deigele C.: Unsere Umwelt im Blick. Akademie Aktuell 02/2009: 14-16.

Deigele, C.: Flechten: Überlebenskünstler und Umweltzeiger. Akademie Aktuell 01/2009: 46-49.

Deigele, C.: Pilze und ihre Bedeutung für das Ökosystem. Akademie Aktuell 04/2009: 14-16.